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Ich heiße Michaela und bin 1961 in Hamburg geboren. Seit 1997 höre ich Stimmen. Es handelt sich hierbei um eine psychische Erkrankung die oft als Symtom einer Schizophrenie bezeichnet wird. Es ist für mich wie ein Fluch, der solche Ängste verursacht das es mich manchmal lähmt.
Wann es genau anfing kann ich überhaupt nicht sagen da es alles ziemlich schleichend begann. Bis dahin hatte ich noch nie in meinem Leben etwas vom Stimmenhoeren gehört.

Ich fühle mich beobachtet und höre Stimmen. Stimmen die ich nicht kenne. Selten, aber es ist auch schon passiert, haben diese Stimmen mir bekannte Personen imitiert. Das kann ich aber nur überprüfen wenn ich diese Menschen gut kenne und vertrauen kann. Diese Stimmen sind absolut böse, negativ und reden nur schlecht. Da ich nur negative Stimmen höre ist es manchmal nicht leicht alles auszuhalten.

Mich mit diesem Thema in das Netz der Welt zu stellen ist auch nicht einfach, da seit dem Stimmenhoeren das Vertrauen an alle Menschen verlorengegangen ist. Ich schreibe es hier mal mit den Worten eines allseits bekannten Mannes nur umgekehrt: Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit aber ein großer Schritt für mich.

Ich kenne nicht die Ursache für das Stimmenhoeren, ich kenne nur den Auslöser. Der Auslöser für die Stimmen waren Nachbarn. Nachbarn die sich bei mir immer und immer wieder über Lärm und Ruhestörung beschwert hatten, obwohl ich nicht die Person war die, die Ruhe gestört und auch keinen Lärm verursacht hat. Wie sich später heraus stellte wurde der Verursacher des Lärms durch die Nachbarn gefunden, durch beobachten und belauschen. Ich weiß nicht genau was sie und wie sie es angestellt haben um Dieses herauszufinden.

Für mich war es bis dahin zu spät. Denn ich hörte genau diese Nachbarn wie sie abhörten und mit Kameras beobachteten, nämlich mich. Bis dahin waren es für mich immer noch keine Stimmen im Kopf, sondern reale Nachbarn die ich zu hören glaubte.

Ich bin aus dieser Wohnung geflüchtet. Ich konnte nicht mehr duschen, nicht mehr auf Toilette gehen. Der intimste Raum der Wohnung in dem man mit sich und seinem Körper alleine ist war nicht mehr intim.

Ich möchte mich hiermit auch bei meiner Schwester und meinen Eltern bedanken, die mich in dieser schweren Anfangsphase des Stimmenhoerens unterstützt haben und auch aufgenommen haben, da ich zu Beginn dieser schweren Phase nicht mehr in der Lage war in einer Wohnung, umgeben von Nachbarn, zu leben.

Im Sommer 1998, da wohnte ich bereits bei meinen Eltern, habe ich versucht das was ich empfand und erlebte, in einem Bild darzustellen.

selbstgestaltete Leinwand

Es stellt die Nacht dar. Die Nacht die oftmals am schlimmsten ist. Die Maske bin ich, ängstlich. Das Gelb-Rot-Orange ist das Positive das von mir ausgeht. Das was in mir immer wieder versucht gegen das was ich höre zu kämpfen. Die Augen sind "Die" die mich beobachten. Die Lippen sind "Die" die über mich reden.

Leider lässt sich hier nicht alles erklären und berichten was ich in all den Jahren erlebt und durchgemacht habe. Mir ist aus diesem Grund auch vor Jahren die Idee gekommen darüber ein Buch zu schreiben. Angefangen bin ich schon vor 4 Jahren, ich dachte ich könnte es irgendwann zu Ende schreiben aber die Stimmen rauben meine Erinnerungen. Deshalb liegt das Ganze jetzt auf Eis.

Mittlerweile bin ich mehrfach umgezogen. In jeder Wohnung wiederholt sich alles. Alles geht von vorne los. Es sind nur überall andere Stimmen, aber sie sind bis heute gemein und böse geblieben. Das Misstrauen gegen Nachbarn und Menschen allgemein ist auch geblieben. Denn es gibt nicht nur gemeine Stimmen es gibt auch gemeine Nachbarn. Überall gibt es Wände mit Ohren und Menschen die Böses reden. Das macht auch die Unterscheidung zwischen Stimme und Realität so schwer.

Es ist schlimmer als Mobbing. Beim Mobben weiß man oft wer es ist. Man kann was dagegen machen, wenn es im Job passiert, notfalls kündigen. Wem soll ich kündigen?

Seit 1997 bin ich regelmäßig in psychiatrischer Behandlung. 1998 war ich auch in der Uni-Klinik Hamburg Eppendorf in einer Selbsthilfegruppe mit psychiatrischer Anleitung. Dort habe ich auch meinen Freund kennen gelernt (ebenfalls Stimmenhoerer). Zwei Stimmenhoerer zusammen sind auch noch eine heftige Herausforderung. Denn manchmal bleibt Streit unvermeidbar über das Gehörte. Aber wir sind bis heute zusammen. Wir haben in Eppendorf mühsam erlernen müssen nicht über den Inhalt miteinander zu sprechen, um so Streitigkeiten zu vermeiden..

Die Infos über eine Selbsthilfegruppe für Stimmenhoerer waren sehr schlecht. Durch Zufall ist mehr oder weniger meine Schwester darauf gestoßen. Ich war dort eine ganze Weile. Am Anfang war es auch wichtig für mich zu hören das da noch andere waren denen es ähnlich ging wie mir.
Irgendwann war es aber nicht mehr das Richtige für mich, denn es kann auch zur Belastung werden was andere Stimmenhörer erzählen. Aber das muss jeder selbst entscheiden.

Medikamente hatte ich von Beginn an drei verschiedene. Heute nehme ich nur noch dann Medikamente wenn ich es nicht mehr aushalten kann. Die Nebenwirkungen waren zum Teil recht heftig und an mir ist noch mehr Körper als nur Kopf.

Gelegentlich sah ich auch Bilder(Halluzinationen?) bei geschlossenen Augen und hatte, aber seltener, Geruchshalluzinationen. Die Bilder stellten Personen dar die ich weder kannte und zum Teil waren die Bilder vereinzelt aus einer Zeit (an den Klamotten zu erkennen) in der ich noch nicht geboren war.

1999 fing es bei mir an das ich mich auch selbst verletzte. Selbstverletzung? Ich versuche es anderen immer zu erklären in dem ich sage: Stelle dir vor du hast fürchterliche Kopfschmerzen und willst einen Nagel in die Wand schlagen, triffst dann aber den Daumen. Welchen Schmerz spürst du jetzt? Der Schmerz am Daumen ist jetzt größer. Für einen kurzen Moment steht der körperliche Schmerz über dem seelischen Schmerz. Aber die Momente werden kürzer. Später habe ich mich mit der Selbstverletzung eher bestraft. Ich hatte es eine ganze Weile im Griff, aber seit 2006 passiert es doch hin und wieder das ich die Rasierklingen nehme.

Jetzt sind wir wieder auf Wohnungssuche. Aber der Wohnung wegen. Die Angst vor den Nachbarn bleibt immer.

Ende 2006 haben wir nach 3 Jahren Suche endlich die richtige Wohnung gefunden mit allem was wir uns vorgestellt hatten. Aber wie schon beschrieben das Problem mit den Stimmen hat sich nicht geändert.

Ich habe mir schon so manches Mal gewünscht ein freistehendes Einfamilienhaus zu haben um dann eindeutig entscheiden zu können. Denn es ist oftmals unerträglich menschliche reale Stimmen aus Nachbarwohnungen hören zu müssen.

Seit dem Stimmenhören wird es sowieso nie wieder ein Zuhause geben, denn kein Ort ist vor den Stimmen so sicher so das es ein Zuhause sein kann.
Deshalb habe ich meine private Homepage nohome4me genannt.

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